Die zunehmende Präsenz von Private-Equity-Investoren im Gesundheitssektor sorgt für Besorgnis unter Medizinern. Christoph Kniestedt, Augenarzt in Zürich und ehemaliger Präsident der SOG, warnt davor, dass reine Finanzinvestoren oft keine medizinische Expertise besitzen und primär auf Renditen fokussiert seien. Dies führe dazu, dass Ärzten Umsatzziele vorgegeben werden oder die Wahl der Implantate, etwa bei Grauen-Star-Operationen, durch Investoren beeinflusst wird, was nicht im Interesse der Patienten liege.
Auch der deutsche Berufsverband der Augenärzte warnte bereits im „Deutschen Ärzteblatt“ vor einem verstärkten Fokus auf maximale Rendite und die Skalierung von Unternehmenswerten. Der Sozialwissenschaftler Christoph Scheuplein, Berater für die VDI/VDE Innovation und Technik, analysierte in einer Studie der Universität Luzern die Funktionsweise dieser Modelle. Private-Equity-Gesellschaften nutzen dabei oft Fonds, die aus steuerlichen Gründen in Paradiesen wie Luxemburg, den Kanalinseln oder den Cayman Inseln angesiedelt sind.
Durch komplexe Kaskaden von Zweckgesellschaften werden Praxen gekauft und zu Ketten zusammengeschlossen, wobei Gewinne über Steueroasen an Investoren fließen. Laut Scheuplein dienen diese Konstrukte als Hebel zur Renditesteigerung; Fondsmanager erhalten oft ab einer Rendite von acht Prozent eine Gewinnbeteiligung. Der Vorsitzende der bayrischen Landeszahnärztekammer kritisierte 2023 scharf, dass Beitragsgelder der sozialen Krankenversicherung in Deutschland so der steuerlichen Veranlagung entzogen würden.
Die Dimension dieses Trends zeigt sich an Beispielen wie der Collosseum Dental Group, Mehrheitseigentum der Jacobs Holding AG (Teil von Jacobs Capital mit Sitz in Zürich und London). Das Unternehmen betreibt über 620 Standorte und 50 Labore in elf europäischen Märkten, darunter 45 Praxen in der Schweiz. Mit einem Jahresumsatz von über 1,1 Milliarden Euro und mehr als 12.500 Zahnärzten behandelt die Gruppe über 6 Millionen Patienten und strebt die europaweite Marktführerschaft an.


