Islamabad-Memorandum: Hoffnung auf Ende des Iran-Kriegs wächst

15.06.2026


Die USA und der Iran stehen nach Darstellung mehrerer Beteiligter unmittelbar vor einem Abkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif erklärte auf der Plattform X, Washington und Teheran hätten sich auf einen finalen Text für ein Friedensmemorandum geeinigt. Man sei dem Frieden „noch nie so nahe“ gewesen, sagte auch Irans Außenminister Abbas Araghchi und verwies auf eine sogenannte Islamabad-Absichtserklärung. Pakistan agiert in dem Konflikt als zentraler Vermittler.

US-Präsident Donald Trump sprach von einer „großartigen Einigung“, die sicherstellen solle, dass der Iran „nie“ eine Atombombe erhalte. Nach seinen Worten ist der Text fertig verhandelt und sollte ursprünglich bis zu seinem 80. Geburtstag am Sonntagabend unterzeichnet werden. Teheran stellte eine Zustimmung jedoch erst für die darauffolgenden Tage in Aussicht; iranische Medien berichteten, die Führung in Teheran wolle Trump keinen symbolträchtigen Propaganda-Erfolg zu diesem Termin ermöglichen. Die Unterzeichnung soll nicht bei einer gemeinsamen Zeremonie mit Unterhändlern und Vermittlern, sondern digital erfolgen.

Über die konkreten Inhalte der Vereinbarung kursieren widersprüchliche Angaben. Nach iranischen Darstellungen erklärt das – noch unveröffentlichte – Dokument den Krieg für beendet; dies soll auch für den Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon gelten. Zudem soll der Iran wieder Zugriff auf im Ausland eingefrorene Milliardenguthaben erhalten, die US-Seeblockade solle sofort enden, und Teheran würde im Gegenzug seine Sperre der strategisch wichtigen Straße von Hormus aufheben. Trump betont, der Iran sage in dem Text den Verzicht auf Atomwaffen zu. Westliche Insider verweisen darauf, dass US-Vizepräsident JD Vance und Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf das Memorandum – möglicherweise in Genf – formell billigen sollen.

US-Regierungsvertreter stellen den Zeitplan und die Bedingungen jedoch restriktiver dar. In Hintergrundgesprächen hieß es, der Iran werde erst dann Zugriff auf seine Auslandsvermögen erhalten, wenn er Verpflichtungen etwa bei internationalen Atominspektionen erfüllt habe. Nach der digitalen Unterzeichnung ist demnach eine zweimonatige weitere Verhandlungsphase über konkrete Beschränkungen des iranischen Atomprogramms vorgesehen. Parallel zur diplomatischen Annäherung hält die militärische Spannung an: Das US-Regionalkommando Centcom meldete den Abschuss mehrerer iranischer Drohnen, die Handelsschiffe in der Straße von Hormus bedroht hätten. Irans Außenminister bekräftigte dennoch, die Islamabad-Absichtserklärung sei „noch nie näher“ gewesen – ein Hinweis darauf, dass auf beiden Seiten politischer Wille besteht, den Konflikt in ein verhandeltes Rahmenwerk zu überführen, auch wenn zentrale Fragen zu Sanktionen, Sicherheit im Golf und der Umsetzung von Zusagen weiter umstritten bleiben.

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Hormus-Blockade vor möglichem Ende – Branche bleibt dennoch skeptisch

15.06.2026


Die Einigung zwischen den USA und dem Iran auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs sorgt in der Handelsschifffahrt für vorsichtige Erleichterung. Besonders im Fokus steht die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Seepassagen für den weltweiten Öl- und Flüssiggas-Handel. Seit Beginn des Konflikts Ende Februar ist die Meerenge weitgehend blockiert, zahlreiche Handelsschiffe sitzen im Persischen Golf fest. Nun soll die Passage nach der geplanten Unterzeichnung des Abkommens wieder geöffnet werden.

US-Präsident Donald Trump kündigte an, dass die Straße von Hormus nach dem Abschluss der Vereinbarung wieder für den Verkehr freigegeben werden solle. Die Unterzeichnung ist für Freitag in Genf vorgesehen. Für die deutsche Handelsschifffahrt wäre dies ein entscheidender Schritt zur Normalisierung. „Die Signale aus den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran machen auch der Schifffahrt Hoffnung“, sagte Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR). Zugleich mahnte er, es müsse sich erst zeigen, ob die Passage dauerhaft sicher befahrbar sein werde. Man sei „vorsichtig optimistisch“.

Die Branche hat allen Grund, auf rasche Entspannung zu hoffen. Nach Angaben des VDR sitzen aktuell noch 46 Schiffe deutscher Reedereien mit rund 1.000 Seeleuten im Persischen Golf fest. Die Blockade der Meerenge trifft nicht nur die Reedereien, sondern bremst den globalen Energiehandel. Die UN-Sonderorganisation für Seeschifffahrt (IMO) begrüßte die Einigung ausdrücklich. Seit Ausbruch des Konflikts wurden der IMO zufolge 46 Angriffe auf Handelsschiffe in der Region bestätigt, bei denen 14 Seeleute ums Leben kamen.

Trotz der diplomatischen Fortschritte sehen Branchenverbände die Lage in der Region weiter kritisch. Der internationale Schifffahrtsverband Bimco bewertet die Sicherheitslage in der Straße von Hormus auch nach Bekanntwerden des Rahmenabkommens als instabil. Eine Durchfahrt bleibe sehr riskant, heißt es aus dem Verband. Für Reeder und Charterer stellt sich damit die Frage, wie schnell und in welchem Umfang sie ihre Routen wieder über die Meerenge führen können – oder ob Ausweichrouten zumindest mittelfristig bestehen bleiben müssen.

Für den Moment überwiegt in der Schifffahrt die Hoffnung, dass die geplante Vereinbarung in Genf die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entspannung an einem der neuralgischsten Punkte des globalen Seehandels schafft. Ob und wie schnell sich die Zahl der festliegenden Schiffe reduziert und sich die Risikoeinschätzungen der Versicherer und Verbände anpassen, dürfte entscheidend dafür sein, wann sich der Verkehr durch die Straße von Hormus wieder weitgehend normalisiert.