Lesekompetenz als Demokratiefrage: Branche fordert Kurswechsel bei Bildung und KI

08.10.2026


Die Frankfurter Buchmesse startet in diesem Jahr mit ungewohnt scharfen Warnungen aus der Branche. Im Mittelpunkt stehen weniger neue Bestseller als vielmehr die Zukunft des Lesens selbst – und die Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz und große Tech-Konzerne dabei spielen. Organisatoren und Branchenvertreter erwarten bis Sonntag mehr als eine Viertelmillion Besucher, nutzen die Plattform aber vor allem, um auf eine sich zuspitzende Lesekrise bei Jugendlichen und die Folgen für demokratische Gesellschaften aufmerksam zu machen.

Die US-Historikerin und Autorin Jill Lepore, Pulitzer-Preisträgerin und Professorin an der Harvard University, zeichnete zum Auftakt ein düsteres Szenario. Die Menschheit befinde sich „auf des Messers Schneide der Geschichte“, sagte sie. Es gehe um die Entscheidung, ob Maschinen das Lesen, Schreiben und sogar das Denken übernehmen sollen. Künstliche Intelligenz bedrohe Kunst und Literatur, die Freiheit des Denkens, demokratische Ordnungen und – wie es auch Tech-Unternehmen selbst formulierten – im Extremfall die Menschheit. Kapituliere man vor einem „Maschinenstaat“, verliere die Gesellschaft nicht nur ihre Freiheit, sondern auch ihren Verstand, so Lepore.

Parallel dazu richtet die Branche den Blick nach innen – auf die eigene Basis: junge Leserinnen und Leser. Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, warnte vor „gravierenden Folgen“ einer zunehmenden Leseschwäche in der jüngeren Generation. Daten zum Buchmarkt 2025 verweisen nach seinen Angaben bei der Altersgruppe der 10- bis 15-Jährigen auf einen Rückgang der gekauften Bücher um 30,6 Prozent. Zugleich zeigt die jüngste Pisa-Studie, dass jedem dritten 15-Jährigen grundlegende Lesekompetenz fehlt. Spätestens mit dem Erwachsenwerden werde eine grassierende Leseschwäche zu einer Schwäche in der Meinungsbildung, sagte Guggolz: Wer verschiedene Positionen nicht mehr lesend erfassen und vergleichen könne, habe es schwer, sich fundierte Urteile zu bilden.

Die verbreitete Hoffnung, digitale Assistenten könnten Defizite im Lesen auffangen, weist die Branche zurück. „Das Problem der Lesekompetenz kann nicht vom Siegeszug der KI, die uns beliebig abgerufene Antworten liefert, kompensiert werden“, betonte Guggolz. Im Gegenteil: Wer nicht mehr sinnentnehmend lesen könne, sei kaum in der Lage, Antworten aus KI-Systemen kritisch zu prüfen. Vor diesem Hintergrund wird die Messe auch zu einem Forum für Urheberrechtsfragen und die Regulierung von Big Tech. Lepore bezeichnete die Veranstaltung als Gelegenheit, die Unabhängigkeit beim Schreiben und Lesen zu bekräftigen: Gedanken, Worte und Bücher gehörten den Menschen selbst, und Zustimmung oder Verweigerung gegenüber jedem Regierungssystem müsse von ihnen ausgehen – nicht von Maschinen.

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Mutmassliche Brandstiftung in Baar: Sachschaden von mehreren hunderttausend Franken

08.10.2026


Nach dem nächtlichen Grossbrand an der Ruessenstrasse in Baar im Kanton Zug gehen die Strafuntersuchungsbehörden von vorsätzlicher Brandlegung aus. Mehrere Fahrzeuge waren am späten Abend des 28. September in Flammen aufgegangen und vollständig ausgebrannt. Die Ermittler stufen Brandstiftung als wahrscheinlichste Ursache ein, wie sie am Donnerstag über die Plattform X mitteilten.

Als die Feuerwehr kurz nach 22 Uhr am Einsatzort eintraf, standen bereits mehrere Autos in Vollbrand. Die Flammen hatten zu diesem Zeitpunkt schon auf ein angrenzendes Geschäftsgebäude übergegriffen. Durch einen raschen und koordinierten Löscheinsatz gelang es den Einsatzkräften, das Feuer unter Kontrolle zu bringen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Trotzdem entstand ein Sachschaden in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken.

Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann aus Baar leicht verletzt. Er hatte gemeinsam mit seinen Kollegen versucht, sowohl die brennenden Fahrzeuge als auch das betroffene Geschäftsgebäude zu sichern. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern, doch mehrere Fahrzeuge wurden zerstört und Teile des Gebäudes erheblich beschädigt.

Die Kantonspolizei Zug hat in der Zwischenzeit Ermittlungen zur Täterschaft aufgenommen und wendet sich mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit. Personen, die vor, während oder nach dem Brand im Gebiet rund um die Ruessenstrasse verdächtige Beobachtungen gemacht haben, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Hinweise nimmt die Zuger Polizei unter der Telefonnummer 041 595 41 41 entgegen.