
Die ostdeutsche Chemieindustrie blickt mit wachsender Nervosität auf die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. In Umfragen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern derzeit vorn – ein Szenario, das in den Unternehmen nach Angaben der Branche erhebliche Verunsicherung auslöst. Die Wahlgänge gelten in der Industrie als potenzieller Wendepunkt für die weitere Entwicklung der Standorte.
"Was ich bei unseren Unternehmen sehe, ist schon eine gewisse Sorge über den Wahlausgang", sagte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin der Nordostchemie-Verbände. Die Unsicherheit über die künftige politische Ausrichtung in den Ländern gilt als Risiko für Investitionsentscheidungen und damit für Wachstumsperspektiven in der Region. Politische Stabilität wird in der Branche als zentraler Faktor für Standortentscheidungen und zur Sicherung des Shareholder Value gesehen.
Die Wahlen treffen die Chemieunternehmen in einer Phase erheblicher wirtschaftlicher Belastungen. Hohe Energie- und Rohstoffpreise drücken auf die Margen, zugleich schwächelt die Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen. Geopolitische Spannungen schränken die Planungssicherheit zusätzlich ein. Sichtbar wird der Druck unter anderem an angekündigten Stilllegungen großer Anlagen beim US-Konzern Dow sowie an der Krisensituation beim Chemieunternehmen Domo in Leuna.
Schmidt-Kesseler verweist zudem auf die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen in Europa für die Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Standorte. Die Industrie sei darauf angewiesen, dass in der EU gemeinsame Standards gelten und politische Signale Kontinuität vermitteln. In der Branche wächst die Sorge, dass veränderte Mehrheiten nach den Landtagswahlen die europäische Zusammenarbeit und damit zentrale Grundlagen für Investitionen in der Chemie schwächen könnten.
Das Hamburger Luxuskaufhaus Alsterhaus soll erneut den Eigentümer wechseln. Das Family-Office der Schoeller Group plant gemeinsam mit einer großen deutschen Pensionskasse die Übernahme der prominenten Immobilie aus der Insolvenzmasse der Signa-Gruppe. Das teilte die Schoeller Group mit. Der Abschluss des Geschäfts steht allerdings noch unter Vorbehalt: Gläubiger müssen der Transaktion zustimmen, zudem sind regulatorische Anforderungen zu erfüllen.
Das Alsterhaus zählt zu den bekanntesten Einkaufsadressen in Hamburg und gehörte bislang zur Luxusimmobilien-Sparte der österreichischen Signa-Gruppe um René Benko. Der Immobilien- und Handelskonzern war im Zuge steigender Zinsen und Baukosten sowie infolge risikoreicher Zukäufe – darunter die deutschen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof – in die Insolvenz geraten. Für Teile des Immobilienportfolios, zu dem auch das Alsterhaus zählt, ist Insolvenzverwalter Torsten Martini zuständig. Er verweist mit Verweis auf seine Verschwiegenheitspflicht auf eine Stellungnahme zur geplanten Transaktion.
Auf der Mieterseite ändert sich durch den möglichen Eigentümerwechsel zunächst nichts. Das Alsterhaus wird von der KaDeWe GmbH betrieben, die auch das KaDeWe in Berlin und den Oberpollinger in München verantwortet. KaDeWe-Chef Timo Weber betonte auf Anfrage, es bestehe ein langfristiger Mietvertrag. Die Betreibergesellschaft gehört zur thailändischen Central Group, die sich bereits seit Längerem im europäischen Luxuswarenhausgeschäft engagiert.
Finanzielle Details des Deals bleiben vorerst unter Verschluss. Weder zum Kaufpreis noch zur namentlichen Nennung der beteiligten Pensionskasse machte die Schoeller Group Angaben. Der Unternehmensverbund mit Sitz in München und Zürich ist unter anderem auf Mehrwegverpackungen spezialisiert und bündelt über sein Family-Office privates Vermögen. Mit dem Einstieg beim Alsterhaus würde sich die Gruppe einen prestigeträchtigen Standort in bester Lage der Hansestadt sichern, während die Signa-Insolvenzverwalter einen weiteren Baustein in der Verwertung des Portfolios voranbringen.