Wiener Linien kalkulieren: Jahreskarte vor nächstem Preissprung

08.10.2026


Für Fahrgäste der Wiener Linien zeichnen sich mit 1. Jänner 2027 weitere Mehrkosten ab. Das Verkehrsunternehmen wird seine Tarife zu Jahresbeginn erneut anpassen und sich dabei – wie bereits angekündigt – am Verbraucherpreisindex (VPI) orientieren. Die konkrete Höhe der Erhöhung steht zwar noch nicht fest, doch die jüngste Schnellschätzung der Statistik Austria zur Inflation für September mit 3,6 Prozent liefert den zentralen Orientierungswert. Ein ähnliches Anpassungsausmaß nehmen auch ÖBB und der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) vor, die ihre Ticketpreise Mitte Dezember im Schnitt um rund 3,5 Prozent anheben.

Auf Basis dieser Zahlen hat der „Kurier“ mögliche neue Preise durchgerechnet. Demnach könnte die gängigste Jahreskarte der Wiener Linien von aktuell 467 Euro auf 483 Euro steigen. Auch andere Produkte würden im Fall einer entsprechenden Valorisierung teurer: Ein Einzelfahrschein könnte statt 3,20 Euro künftig 3,30 Euro kosten, für die Monatskarte wären laut den Berechnungen 77,60 Euro statt derzeit 75 Euro fällig. Diese Beträge sind allerdings noch nicht fixiert, sondern spiegeln lediglich das wahrscheinliche Szenario bei einer Anhebung im Ausmaß der aktuellen Inflationsrate wider.

Die Wiener Linien verweisen darauf, dass die Detailausarbeitung der neuen Tarife noch läuft. Man werde – wie ÖBB und VOR – die Preise jährlich und am VPI orientiert anpassen, Detailinformationen sollten im Herbst folgen, heißt es gegenüber der Tageszeitung. Anders als bei der automatischen Valorisierung von Wasser-, Müll- und Kanalgebühren gibt es für Öffi-Tarife in Wien keine gesetzlich vorgegebene Berechnungsformel. Auch Mobilitätsstadträtin Ulli Sima nennt daher vorerst keine konkreten Zahlen und verweist auf das laufende Kalkulationsverfahren bei den Wiener Linien.

Die regelmäßigen Preisanpassungen markieren einen klaren Bruch mit der bisherigen Tarifpolitik der Stadt. Von 2012 bis Ende 2025 war die Jahresnetzkarte mit 365 Euro – einem Euro pro Tag – über 13 Jahre hinweg unverändert geblieben. Diese 365-Euro-Jahreskarte, ein Prestigeprojekt der damaligen rot-grünen Stadtregierung, wurde mit Jahresbeginn 2026 abgeschafft. Seither kostet die Jahreskarte 467 Euro, was einer prozentuellen Anhebung entspricht, die sich an der Verteuerung des bundesweiten Klimatickets orientiert. Parallel dazu wurde in Wien auf ein System jährlicher Valorisierungen umgestellt, das die Ticketpreise künftig enger an die allgemeine Teuerung koppelt.

Bei der Einführung der aktuellen Preisstruktur verwiesen Stadt und Wiener Linien darauf, dass die Jahreskarte inflationsbereinigt auch höher liegen könnte. Vor 2012 hatte ein Jahresticket 449 Euro gekostet; wäre die seit damals aufgelaufene Inflation vollständig eingepreist worden, müsste der Preis laut früheren Angaben der Verkehrsstadträtin bei über 500 Euro liegen. Mit der geplanten Anpassung an den jüngsten VPI-Wert folgt Wien nun einem Modell, das auch im Bahnfernverkehr üblich ist – mit dem Effekt, dass Öffi-Kosten für die Stadtbevölkerung regelmäßiger, dafür in kleineren Schritten steigen dürften.

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Restrukturierung, Stellenabbau, Übernahme: Rieter vollzieht Personalwende im Top-Management

08.10.2026


Beim Winterthurer Textilmaschinenhersteller Rieter kommt es zu einem abrupten Führungswechsel. CEO und Verwaltungsratspräsident Thomas Oetterli gibt beide Ämter per Ende Oktober ab. An die Spitze der Geschäftsführung rückt Anfang November der Branchenkenner Daniel Lippuner, während Carl Illi mit sofortiger Wirkung das Präsidium des Verwaltungsrats übernimmt. Rieter begründet den Schritt damit, dass nach der Umsetzung zentraler strategischer Projekte nun der Zeitpunkt gekommen sei, die Verantwortung in neue Hände zu legen.

Lippuner gilt als ausgewiesener Experte für Spinnmaschinen, Garnverarbeitung und Textilkomponenten. Er leitete früher den Textilmaschinenhersteller Saurer und zuvor den Bereich Oerlikon Textile Components. Zudem ist er Verwaltungsratspräsident und Miteigentümer von Heberlein Technology und damit weiterhin eng in der Chemiefaserindustrie verankert. Illi gehört dem Rieter-Verwaltungsrat seit 2017 an und wird vom Unternehmen ebenfalls als Textilexperte charakterisiert. Er soll das Präsidium mindestens bis zur nächsten Generalversammlung führen.

Oetterli, Jahrgang 1969 und früher Chef des Lift- und Rolltreppenherstellers Schindler, war im März 2023 zu Rieter geholt worden, um den bereits damals kriselnden Maschinenbauer zu stabilisieren. Noch im selben Jahr lancierte er das Performance-Programm «Next Level», das ein massives Kostensenkungs- und Restrukturierungspaket umfasst. Der Plan sah unter anderem vor, bis 2025 rund 1400 Vollzeitstellen vorwiegend in Deutschland, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern abzubauen und Standorte zu konsolidieren. Parallel dazu übernahm Rieter im Februar die Textilmaschinensparte Barmag von OC Oerlikon, was mit einem deutlichen Anstieg der Verschuldung einherging.

Trotz dieser einschneidenden Massnahmen blieb die erhoffte Trendwende aus. Die Amtszeit Oetterlis war von einem ausserordentlich schwachen Marktumfeld mit anhaltender Nachfrageschwäche geprägt. 2024 hatte er zusätzlich das Präsidium des Verwaltungsrats übernommen – ein Doppelmandat, das den Aktionären ursprünglich als Übergangslösung zur konsequenten Umsetzung von «Next Level» verkauft worden war. Grösster Anteilseigner bei Rieter ist der Schweizer Industrielle Peter Spuhler mit einem Anteil von 33,1 Prozent; er sitzt ebenfalls im Verwaltungsrat. Der Führungswechsel in Winterthur folgt zeitlich auf eine ebenfalls angekündigte Neubesetzung an der Spitze von Stadler Rail, einem weiteren Unternehmen, an dem Spuhler die Kontrolle hält.