
Monate vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern verschärft die Evangelische Nordkirche ihren Ton gegenüber der AfD. Bischof Tilman Jeremias, zuständig für den Sprengel Mecklenburg und Pommern, sieht zentrale Positionen der Partei als unvereinbar mit dem christlichen Glauben und der Lehre seiner Kirche. Anlass seiner Warnungen sind Umfragen, die die AfD im Nordosten deutlich über 30 Prozent und damit klar vor allen anderen Parteien sehen.
Jeremias knüpft seine Kritik ausdrücklich an das christliche Menschenbild. Für Christinnen und Christen sei wesentlich, dass alle Menschen Geschöpfe Gottes seien, sagte er in einem Interview mit dem „Nordkurier“. Die Bibel berichte sogar, dass Menschen Ebenbilder Gottes seien. Wenn dies für alle gleichermaßen gelte, sei die daraus resultierende Menschenwürde unantastbar – Abstufungen zwischen unterschiedlichen Gruppen seien damit theologisch nicht zu begründen.
Vor diesem Hintergrund wendet sich der Bischof gegen Positionen, die zwischen „gebürtigen Deutschen“ und Zugewanderten unterscheiden. Wer behaupte, gebürtige Deutsche hätten einen höheren Wert als Menschen, die zugewandert sind, begebe sich auf ein Terrain, das mit dem christlichen Glauben und der Lehre der evangelischen Kirche nicht vereinbar sei, so Jeremias. Auch geplante Umbauten des Sozialsystems, die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte einseitig benachteiligen würden, stünden nach seiner Darstellung im Widerspruch zur Gleichwertigkeit aller Menschen, an die Christinnen und Christen glaubten.
Besondere Brisanz erhält die Positionierung der Kirche durch die aktuellen Zahlen der Wahlforschungsinstitute. Rund fünfeinhalb Monate vor dem Wahltermin am 20. September gehen Umfragen von einem Ergebnis deutlich über 30 Prozent für die AfD im Land aus. Der AfD-Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern gilt im Vergleich zu anderen ostdeutschen Verbänden bislang als gemäßigt und ist nicht vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. Gleichwohl macht die Evangelische Kirche deutlich, dass sie sich im Blick auf mögliche politische Mehrheiten und deren Auswirkungen auf Gemeinden im Bundesland keine Illusionen macht.

Das israelische Militär hat die Bevölkerung im Iran vor der Nutzung des landesweiten Schienennetzes gewarnt und damit die Sorge vor einer weiteren Eskalation im Konflikt um zentrale Infrastrukturen geschürt. In einem auf Farsi veröffentlichten Beitrag auf der Plattform X riet das Militär den Menschen, bis 21.00 Uhr Ortszeit (19.30 Uhr MESZ) weder mit dem Zug zu reisen noch sich in der Nähe von Bahnstrecken aufzuhalten. Wer sich dort aufhalte, gefährde sein Leben, hieß es in der Mitteilung. In der nordöstlichen Metropole Maschhad wurde der Zugverkehr laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars aus Sicherheitsgründen auf einer der wichtigsten Routen des Landes ausgesetzt. Der Gouverneur der Provinz sprach von einer „unmoralischen Drohung“ Israels.
Die Warnung aus Tel Aviv erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump hat Teheran ein Ultimatum gestellt, die Straße von Hormus zu öffnen, eine für den globalen Öl- und Gashandel strategisch bedeutende Wasserstraße. Das Ultimatum läuft in der kommenden Nacht aus, bislang ist keine Einigung in Sicht. Trump hatte zudem mit Angriffen auf Infrastruktur gedroht, die auch zivil genutzt wird oder zivilen Nutzen hat. Israels Hinweis auf mögliche Gefahren für das Schienennetz wird in diesem Kontext als Teil eines wachsenden Drucks auf den Iran gesehen.
Die Kommunikation der Warnung unterstreicht zugleich die besonderen Informationsbedingungen im Iran. Seit dem 28. Februar haben Bürgerinnen und Bürger nach offiziellen Angaben nur noch Zugang zu einem eingeschränkten internen Intranet mit staatlich genehmigten Inhalten. Dennoch verbreitete sich die israelische Botschaft rasch: Auf einer iranischen Plattform, die dem Messenger-Dienst Telegram ähnelt, wurde der Warnhinweis bereits sechs Minuten nach der Veröffentlichung auf X geteilt. Damit erreichte die Nachricht trotz der Zugangsbeschränkungen große Teile der Bevölkerung.
Für die Zivilbevölkerung erhöhen sich damit die Unsicherheiten im Alltag. Der stillgelegte Bahnverkehr in Maschhad zeigt, wie direkte Drohungen gegen Infrastruktur unmittelbare Auswirkungen auf wirtschaftliche Abläufe und Mobilität haben können. Zugleich verdeutlichen die Vorgänge die Verwundbarkeit von Verkehrs- und Energieachsen in einer Phase, in der das Ringen um die Kontrolle der Straße von Hormus und die Androhung militärischer Maßnahmen die Spannungen in der Region weiter anheizen. Wie Teheran, Washington und Tel Aviv aufeinander reagieren, dürfte maßgeblich bestimmen, ob es bei Drohungen bleibt oder kritische Infrastrukturen tatsächlich getroffen werden.