AMS-Osram: Integration schreitet voran, Aktie bleibt unter Druck

05.04.2026


Mehr als fünf Jahre nach der Fusion von AMS und Osram meldet der österreichisch-deutsche Halbleiter- und Lichtkonzern erste spürbare Erfolge aus der Integration. „Die Technologien von AMS und Osram fangen jetzt an, richtig zusammenzuwachsen“, sagte Vorstandschef Aldo Kamper vor Journalisten in München. Sichtbar werde das etwa bei hochauflösenden Fahrzeugscheinwerfern, die nachts für mehr Sicherheit sorgen sollen und sich nach Unternehmensangaben dynamisch entwickeln. Für diese Produktgruppe stellt Kamper für 2028 erstmals einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro in Aussicht.

Neben der automobilen Beleuchtung setzt AMS-Osram auf neue Anwendungen, um wieder in den Wachstumsmodus zu kommen. Zu den Zukunftsfeldern zählen Komponenten für Augmented-Reality-Brillen, die Informationen aus dem Internet direkt ins Sichtfeld der Nutzer projizieren. Auch hier sieht Kamper gegen Ende des Jahrzehnts ein Umsatzpotenzial im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die neuen Geschäftsfelder sollen das Wachstum tragen, während das bestehende Lichtgeschäft weiter die Basis bildet.

Kamper hatte AMS-Osram vor rund drei Jahren in einer kritischen Phase übernommen. Die österreichische AMS hatte sich mit der mehr als vier Milliarden Euro schweren Übernahme des Münchner Traditionskonzerns Osram Licht verhoben. Zusätzlichen Druck brachte die Entscheidung des langjährigen Großkunden Apple, nicht auf MicroLEDs von AMS zu setzen – obwohl AMS-Osram dafür bereits eine eigene Fabrik im malaysischen Kulim errichtet hatte. Die Anlage steht seither zum Verkauf. An der Schweizer Börse wird der gesamte Konzern aktuell mit rund 870 Millionen Schweizer Franken bewertet.

Um das Unternehmen zu stabilisieren, trennte sich Kamper von Randbereichen und baute Stellen ab. Zuletzt verkaufte AMS-Osram das Geschäft mit nicht-optischen Sensoren für 570 Millionen Euro an den Rivalen Infineon. Die Strategie des Managements zielt darauf ab, das Kerngeschäft mit LED- und klassischen Halogenscheinwerfern für Autos stabil zu halten, während neue Anwendungen für zusätzlichen Schub sorgen sollen. Nach Unternehmensangaben hat AMS-Osram bei LED-Licht im vergangenen Jahr den bisherigen Marktführer Nichia aus Japan überholt und beliefert im Automobilbereich inzwischen praktisch alle großen Hersteller weltweit. Dennoch notiert die Aktie in einem schwachen Marktumfeld zuletzt im Minus.

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Von Toblerone bis Aromat: Angst vor weiterem Ausverkauf der Heimat

09.04.2026


Die gelbe Streudose mit roter Kappe ist längst mehr als ein Produkt aus dem Supermarktregal. Für viele Haushalte in der Schweiz gehört Aromat seit Generationen selbstverständlich auf den Tisch – als Geschmacksverstärker und als Teil einer alltäglichen Erinnerungskultur. Nun sorgt der geplante Zusammenschluss der Lebensmittelsparte von Unilever mit dem US-Unternehmen McCormick für Unruhe. Die Marke Knorr, unter der Aromat vertrieben wird, gehört zwar bereits heute dem britisch-niederländischen Konzern Unilever, doch die Produktion blieb bislang im Werk Thayngen im Kanton Schaffhausen verankert.

Genau diese Verankerung steht nun zur Disposition. Der Basler Jungunternehmer Michael Oehl hat unter dem Titel «Aromat ghört dr Schwiiz» eine Petition lanciert, die eine Produktionsgarantie für Thayngen sowie die Bewahrung des vertrauten Rezepts fordert. Für Oehl ist Aromat «kein gewöhnliches Produkt», sondern Teil der «Schweizer DNA» und eine Kindheitserinnerung. Innerhalb kurzer Zeit sammelte die Initiative nahezu 10'000 Unterschriften und stösst damit landesweit auf Resonanz – quer durch Sprach- und Gesellschaftsgrenzen. Medien in der Deutschschweiz und der Romandie greifen das Thema auf, Beobachter sprechen von einem neuen Symbolfall im Streit um den vermeintlichen Ausverkauf heimischer Traditionsmarken.

Im Zentrum der Debatte steht neben der emotionalen Aufladung ein handfestes industriepolitisches Risiko. Im Werk Thayngen sind rund 180 Arbeitsplätze an der Aromat-Produktion gekoppelt. Die von der Fusion erwarteten Synergien und Kosteneinsparungen nähren Befürchtungen, dass der Standort geschwächt oder verlagert werden könnte. Bisher liegt keine offizielle Entscheidung über die Zukunft der Fabrik vor, doch die Aussicht auf strukturelle Anpassungen reicht aus, um Belegschaft, Regionalpolitik und Konsumenten zu mobilisieren. Für die Petitionäre geht es dabei um mehr als Nostalgie: Sie verweisen auf das vorhandene Know-how, die lokale Wertschöpfung und die Rolle von Marken wie Aromat für das industrielle Rückgrat ländlicher Regionen.

Oehl will bei einer symbolischen Marke nicht stehen bleiben. Die Bewegung soll ausgebaut, das Unterschriftenziel auf 20'000 erhöht werden. Anfang April hat er den Verein «Aromat ghört dr Schwiiz» gegründet, der als organisatorische Plattform dienen soll. Perspektivisch skizziert er Modelle wie eine «Aromat Schweiz AG» oder eine Genossenschaft mit Volksaktien, an der sich Konsumentinnen und Konsumenten direkt beteiligen könnten. Ob sich solche Vorstellungen mit den strategischen Plänen eines globalen Lebensmittelkonzerns vereinbaren lassen, ist offen. Klar ist jedoch: Die Auseinandersetzung um Aromat hat eine breitere Diskussion darüber entfacht, wie viel Kontrolle die Schweiz über ihre Konsumikonen behalten will – und welchen Preis sie bereit ist, dafür zu zahlen.